18.01.2010Dr. Friederike Haase, Brandenburgs neue Gleichstellungsbeauftragte: „Stärken der Frauen stärken!“ | 005/2010
Neuer Schwung für Brandenburgs Frauen- und Gleichstellungspolitik: Sozial- und Frauenminister Günter Baaske stellte heute die neue Gleichstellungsbeauftragte Dr. Friederike Haase der Öffentlichkeit vor. Sie werde sich, so versicherte Haase, „mit viel Elan und klarer Linie, aber auch mit der notwendigen Gelassenheit für Gleichberechtigung der Geschlechter, für starke Frauen und für optimistische Frauenpower einsetzen". Gleichberechtigung sei „notwendige Voraussetzung für eine demokratische Gesellschaft." Für März kündigte sie die 20. Brandenburgische Frauenwoche an.
Friederike Haase (45) ist Juristin, verheiratet und hat zwei Kinder. Sie arbeitet seit 1992 im Sozialministerium und übernahm im Herbst 2009 die Abteilung für Verwaltung. Durch eine von Günter Baaske veranlasste Umstrukturierung trägt sie seit Anfang Januar auch die zentrale Verantwortung für den Bereich der Frauen- und Gleichstellungspolitik. Dabei wird sie von 3 Referaten unterstützt, die bisher in verschiedenen Bereichen des Ministeriums arbeiteten.
Ihre Schwerpunkte: Lohngerechtigkeit für Frauen und Männer, Schutz Alleinerziehender vor Armut, Verbesserung Vereinbarkeit Familie und Beruf, Weiterentwicklung des Aktionsplans zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und Kinder. Haase: „Frauen müssen im Beruf aufholen, Männer zu Hause. Beides, Erwerbs- und Familienarbeit, sind nötig, damit unsere Gesellschaft funktioniert." Sie will „die Stärken der Frauen stärken".
Günter Baaske: „Die neue Struktur stärkt die Themen Frauenpolitik und Ge-schlechtergerechtigkeit. Zugleich sind die Abteilungen Arbeit, Soziales und Familie eng damit verbunden, da alle Bereiche direkte Auswirkungen auf die soziale und gesellschaftliche Situation von Frauen und Männern haben." Friederike Haase: „Gleichstellung und Gender-Mainstreaming sind ressortübergreifende Themen. Sie müssen in allen Politikbereichen berücksichtigt werden."
Zur Sicherung der Chancengleichheit für Frauen und Männer ist ein Frauen- und Gleichstellungspolitisches Handlungsprogramm mit einem Paket konkreter Maßnahmen geplant. Es soll Anfang 2011 vorgelegt werden. Haase: „Wir wollen damit tatsächliche Chancengleichheit voranbringen, Benachteiligungen zielgerichtet beseitigen, Frauenfördermaßnahmen initiieren, der Geschlechtergerechtigkeit Nachdruck verleihen und eine strukturell integrierte Gleichstellungspolitik verankern." Das Programm und die Maßnahmen sollen im Dialog mit vielen Beteiligten entwickelt werden, darunter Frauenverbände, Unternehmen, Kommunen, Kammern und Gewerkschaften.
Sozialminister Baaske: „Frauen müssen die gleichen Aufstiegschancen wie Männer haben. Zum einen ist es nicht hinnehmbar, dass sie oft besser ausgebildet sind als Männer, aber geringere Berufsmöglichkeiten haben, zum zweiten täten vielen Unternehmen mehr Frauen in der Führung sozial und wirtschaftlich gut. Sie haben aber oft sehr schlecht bezahlte Arbeitsplätze. Das ist ein weiterer Grund für einen generellen Mindestlohn!" Die Abwanderung junger Frauen sei angesichts des Fachkräftemangels „fatal". Deshalb müssten im Rahmen der Fachkräftesicherung „die Potenziale der Frauen und Mädchen genutzt werden."
Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf soll verbessert werden. Haase: „Bei den Familien gilt unser besonderes Augenmerk den Alleinerziehenden. Sie brauchen - auch im Interesse der Kinder - eine besondere Förderung." Etwa 46 Prozent der Alleinerziehenden in Brandenburg beziehen (Jahr 2008) Hartz-IV-Gelder; oft als „Aufstocker", da sie im Niedriglohnsektor beschäftigt sind. Bundesweit sind es 42 Prozent.
Intensiv vorbereitet wird derzeit mit dem Frauenpolitischen Rat und den kommunalen Gleichstellungsbeauftragten die 20. Brandenburgische Frauenwoche vom 04. bis 14. März. Sie steht unter dem Motto: „Wir unternehmen was - weiblich wirtschaften und solidarisch handeln". Themenschwerpunkte sind u. a. Armut und Existenzsicherung, Infrastruktur und öffentliche Daseinsvorsorge, Frauengeschichte und Gender Mainstreaming. Haase: „Unsere Frauenwoche ist ein bundesweit einmaliges Projekt, ist zwischenzeitlich fester Bestandteil der Frauen- und Gleichstellungspolitik im Land Brandenburg, ermöglicht die Konzentration von Frauen- und Gleichstellungsthemen in einer breiten Öffentlichkeit." Das Ministerium unterstützt die Frauenwoche mit 40.000 Euro.
Zu Ihrem Selbstverständnis von Gleichstellungspolitik sagt Friederike Haase: „Gleichstellung der Geschlechter steht für gleiche Chancen von Frauen und Männern mit und ohne Kindern, in allen Altersstufen und Lebensphasen. Chancengleichheit bedeutet, dass vorhandene Potentiale genutzt und gefördert sowie Bedürfnisse erkannt und gedeckt werden. Gleichstellung bedeutet nicht, dass zwischen Mann und Frau, zwischen Mädchen und Jungen in allen Bereichen eins zu eins Ausgewogenheit bestehen muss. Als Gleichstellungsbeauftragte schaue ich genauer hin, wo es noch Ungleichheiten oder Diskriminierung gibt."
Hinweis:
Im Internetangebot des MASF wurde heute ein umfangreiches Themenangebot zu Gleichstellung frei geschaltet. Adresse: masf.brandenburg.de



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