14.07.2006Ziegler startet Modellvorhaben "Gemeindeschwester": Kleinwagen und Computer statt Moped und Rezeptblock | 109
Gesundheitsministerin Dagmar Ziegler hat am Freitag in Lübbenau das Modellvorhaben "Gemeindeschwester" gestartet. In den kommenden zwei Jahren soll herausgefunden werden, ob dadurch Hausärzte in unterversorgten Regionen entlastet werden können und ihnen damit mehr Zeit für einzelne Patienten und ein größeres Versorgungsgebiet bleibt. Die kürzlich von der Koalitionsarbeitsgruppe ausgehandelten Eckpunkte für eine Gesundheitsreform eröffnen die Möglichkeit, diese Versorgungsform auf eine gesetzliche Grundlage zu stellen. Das Vorhaben am Medizinischen Zentrum Lübbenau geht mit drei Schwestern an den Start, die in der Region sechs Hausärztinnen und Hausärzte sowie eine hausärztlich tätige Kinderärztin unterstützen. Die Schwestern sind mit Auto, Laptop, Videotelefon und telemedizinischer Ausrüstung ausgestattet.
Ziegler sieht das Projekt als wichtigen Baustein, um dauerhafte Strategien gegen die sich verstärkenden Versorgungsprobleme im Gesundheitswesen zu entwickeln. "Falls das Projekt erfolgreich ist, ist ein bedarfsgerechter Einsatz angedacht", kündigte sie an. Die Gesundheitsministerin verwies auf das "doppelte demografische Problem" in der medizinischen Versorgung Brandenburgs: "Zum einen wird die Bevölkerung immer älter und nimmt stärker medizinische Leistungen in Anspruch. Zum anderen sind zahlreiche Hausärzte in Brandenburg älter als 60 Jahre. Es wird immer schwerer, frei werdende Arztsitze wieder zu besetzen. Deshalb brauchen wir intelligente Lösungsansätze", sagte sie.
Die Entlastung durch "Gemeindeschwestern" soll es Ärzten ermöglichen, in einem vergrößerten Versorgungsradius gezielt Patienten zu betreuen, die tatsächlich ärztlicher Behandlung bedürfen. Über Laptop und Videotelefon ist ein ständiger Informationsaustausch zwischen Arzt und "Gemeindeschwester" sichergestellt. Der Arzt kann interaktiv entscheiden, ob er den Patienten aufsuchen muss.
Wissenschaftlich begleitet wird das Vorhaben vom Institut für Community Medicine (ICM) der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald. Organisatorisch angebunden sind die Schwestern am Medizinischen Zentrum Lübbenau. Das Projekt wird durch das Gesundheitsministerium aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert. Interesse an dem Projekt haben inzwischen auch mehrere andere Bundesländer angemeldet.



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